Auf amazon.de aus UK verkaufen — was nach Brexit alles dazu kam

Stand: 17. Juli 2026 · 5 Min Lesezeit · Topic: International

Wer heute sell on amazon germany will und dabei noch in UK sitzt, merkt schnell: der Brexit hat aus einem simplen Listing-Klick ein kleines Bürokratie-Projekt gemacht. Zoll, Einfuhrumsatzsteuer, eine eigene USt-ID, dazu Verpackungsgesetz und Elektrogesetz - wer selling on amazon europe ernst nimmt, kommt an keinem davon vorbei. Mag sein, dass viele UK-Seller den deutschen Markt trotzdem für lukrativ halten, doch wer sell into germany plant, sollte wissen, was seit 2021 alles dazugekommen ist. Genau das schauen wir uns hier in Ruhe an.

Maximilian Meisner
Maximilian Meisner
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Zollformalitäten und Einfuhrabgaben: Der Direktversand nach Deutschland ist vorbei

Wer aus UK sell on amazon germany will, stößt als Erstes auf den Zoll. Seit dem 1. Januar 2021 zählt Großbritannien zollrechtlich als Drittland - zwar gibt es mit der EU ein Handelsabkommen, doch das ändert an der Meldepflicht selbst nichts. Jede Sendung braucht eine Zollanmeldung, jeder Versender eine eigene EORI-Nummer. Was früher ein einfacher Paketversand innerhalb des Binnenmarkts war, ist heute ein eigenes kleines Verwaltungsverfahren.

Seit dem 1. Januar 2021 gehört das Vereinigte Königreich nicht mehr zum Zollgebiet der EU. Obwohl es das Handelsabkommen TCA gibt, sind Zollformalitäten notwendig.

So beschreibt es die IHK München in ihrer Übersicht zu Brexit und Warenverkehr. Das Handels- und Kooperationsabkommen (TCA) bewahrt britische Ware zwar vor Zöllen, sofern der Ursprung stimmt, doch von Zollanmeldung und Papierkram befreit es niemanden. Wer sich auf 'das Abkommen regelt das schon' verlässt, verwechselt Zollfreiheit mit Formalitätsfreiheit- das sind zwei verschiedene Dinge.

Details zu Ursprungsnachweisen, Zollanmeldungen und den genauen TCA-Bedingungen liefert die Brexit-Übersicht der IHK München - Pflichtlektüre, bevor die erste Palette die Insel verlässt.

Für die Kalkulation zählt vor allem eine Zahl: Ab einem Warenwert von 150 Euro inklusive Versandkosten wird bei der Einfuhr aus UK nach Deutschland Einfuhrumsatzsteuer fällig, wie exporto in seiner Analyse zum Verkauf von UK nach Deutschland vorrechnet. Unterhalb dieser Grenze bleibt sie dir erspart, Zoll auf den reinen Warenwert kann davon unabhängig trotzdem anfallen.

Wer Fulfillment-Lager in Nordirland nutzt, unterliegt zudem einer Sonderregel, die faktisch näher an der EU liegt als am Rest UKs - das österreichische Bundesministerium für Finanzen erklärt genau das in seiner Brexit-Übersicht zu Zoll und Umsatzsteuer.

Umsatzsteuerliche Pflichten: OSS, Lieferschwelle und eigene USt-ID

Umsatzsteuerlich ändert der Brexit die Ausgangslage doppelt: Als Unternehmen außerhalb der EU brauchst du für den deutschen Markt ohnehin eine deutsche USt-ID, dazu kommt die EU-weit einheitliche Lieferschwelle von 10.000 Euro netto pro Kalenderjahr. Wird sie überschritten, ist die Umsatzsteuer im Bestimmungsland fällig - für die meisten aktiven FBA-Seller ist das nach wenigen Wochen der Fall, nicht erst nach Monaten.

Für Verkäufe innerhalb der EU lässt sich das über das One-Stop-Shop-Verfahren (OSS) bündeln, doch das OSS-Verfahren gilt nur für Unternehmen mit EU-Sitz und EU-Warenlager. Als UK-Seller mit Einfuhr aus einem Drittland brauchst du zusätzlich eine Steuerrepräsentanz beziehungsweise eine direkte Registrierung in Deutschland - eClear beschreibt das ausführlich in seiner Analyse zu Umsatzsteuer und Zoll nach dem Brexit.

Seit dem 1. August 2024 stellt zudem Amazon EU S.à r.l. (AEU) die Dienste für 'Verkaufen bei Amazon' und 'Versand durch Amazon' bereit, wodurch auch auf die Amazon-Gebühren selbst die jeweils lokale Umsatzsteuer anfällt - ein Detail, das viele UK-Seller bei ihrer Kalkulation übersehen.

Erweiterte Herstellerverantwortung: Verpackungsgesetz und ElektroG

Zwar klingt 'erweiterte Herstellerverantwortung' nach Juristendeutsch, doch dahinter steckt ein einfaches Prinzip: Wer Verpackungen oder Elektrogeräte nach Deutschland verkauft, muss sich vorher registrieren - unabhängig davon, ob das Unternehmen in London, Manchester oder München sitzt.

Nach § 36 VerpackG werden Tatbestände wie das Inverkehrbringen von Verpackungen ohne Registrierung oder das Verpassen einer Mengenmeldung als Ordnungswidrigkeiten mit Bußgeldern bis zu EUR 200.000 pro Einzelfall belegt.

So ordnet es take-e-way in seiner Übersicht zu den Strafen des Verpackungsgesetzes ein: fehlende Registrierung bei der Zentralen Stelle Verpackungsregister oder eine verpasste Mengenmeldung gelten als Ordnungswidrigkeit - mit Bußgeldern bis zu 200.000 Euro pro Einzelfall. Kein Betrag, den man mal eben aus der Portokasse zahlt.

Beim Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG), der deutschen Umsetzung der EU-WEEE-Richtlinie, sieht es ähnlich aus: Verkauf ohne WEEE-Registrierung kann mit Bußgeldern bis zu 100.000 Euro pro Einzelfall geahndet werden, wie Zenfulfillment in seinem Leitfaden zum deutschen WEEE-Gesetz erklärt. Und weil die Registrierungsnummer selbst in der Regel sechs Wochen oder länger dauert, lohnt es sich, das nicht erst kurz vor dem ersten Listing anzugehen.

Produktsicherheit und der EU-Bevollmächtigte nach GPSR

Seit Dezember 2024 verlangt die General Product Safety Regulation (GPSR) von jedem Anbieter, der Ware in die EU verkauft, einen benannten Verantwortlichen mit EU-Adresse - für UK-Seller ohne eigene Niederlassung heißt das: einen EU-Bevollmächtigten bestellen, bevor das erste Produkt online geht.

Selling on Amazon Europe gives brands access to major marketplaces such as Germany, France, Italy, Spain, the Netherlands, Poland, Sweden, Belgium and the UK. But Europe is no longer a market where sellers can list first and fix compliance later. In 2026, Amazon Europe sellers need a clear compliance setup before inventory moves.

Der VATAi-Leitfaden für Amazon-Europe-Compliance 2026 bringt es damit auf den Punkt: Es reicht nicht mehr, zuerst zu listen und Compliance hinterherzuschieben - die Struktur muss vorher stehen.

Ich kann nachvollziehen, wie überfordernd sich das anfühlt, wenn plötzlich fünf verschiedene Register gleichzeitig auf einen einprasseln - eintauchen, sich reinfühlen, mitfühlen, das ist an dieser Stelle wichtiger als jede Paragraphen-Liste. Doch genau deshalb lohnt sich der nüchterne Blick von außen, so wie hier.

FBA, EFN und was das für deine Lagerstrategie bedeutet

Wer über das European Fulfillment Network (EFN) aus einem UK-Lager heraus nach Deutschland verkauft, verschiebt automatisch jeden Warenversand über die neue Zollgrenze- mit allen Pflichten aus EORI, Einfuhrumsatzsteuer und EPR-Registrierung, die eben beschrieben wurden. Amazon selbst übernimmt dabei keine dieser Registrierungen, sondern ausschließlich die Logistik.

Mag sein, dass sich das nach viel Aufwand für einen einzigen Marktplatz anhört, doch wer selling on amazon europe wirklich ernst meint, kommt an dieser Vorarbeit nicht vorbei. Anwälte können dir hier im Detail helfen, keine Frage - doch den Überblick über Zoll, Umsatzsteuer, VerpackG, ElektroG und GPSR muss am Ende jeder Seller selbst behalten, weil nur er weiß, was tatsächlich im Karton liegt. Auch ohne Jura-Studium.

1. IHK München — Brexit und Warenverkehr/Zoll 2. Bundesministerium für Finanzen (AT) — Brexit und Zoll 3. take-e-way — Strafen nach dem Verpackungsgesetz (VerpackG) 4. Zenfulfillment — Elektronik online verkaufen und das deutsche WEEE-Gesetz 5. VATAi Blog — Amazon Europe Compliance Guide 2026 6. eClear — Brexit, Umsatzsteuer und Zoll für Onlinehändler

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Häufige Fragen

Brauche ich als UK-Seller eine EORI-Nummer für den Verkauf nach Deutschland?

Ja, ohne EORI-Nummer läuft an der Grenze schlicht nichts. Seit dem 1. Januar 2021 gilt Großbritannien zollrechtlich als Drittland, wie die IHK München in ihrer Übersicht zu Brexit und Warenverkehr erklärt, und jede Zollanmeldung setzt eine gültige EORI-Registrierung voraus - sowohl für dich als Versender als auch häufig für den Spediteur, der die Ware tatsächlich über die Grenze bringt. Das Handels- und Kooperationsabkommen (TCA) zwischen EU und UK regelt zwar Zollfreiheit bei britischem Warenursprung, ersetzt die EORI-Pflicht aber nicht. Wer ohne EORI-Nummer verschickt, riskiert Verzögerungen im Zolllager und im schlimmsten Fall die Rücksendung der gesamten Sendung, was insbesondere bei FBA-Lieferungen an Amazon-Lager teuer und zeitraubend werden kann.

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Ab welchem Warenwert wird bei UK-Importen nach Deutschland Einfuhrumsatzsteuer fällig?

Die Grenze liegt bei 150 Euro Warenwert inklusive Versandkosten, wie exporto in seiner Analyse zum Verkauf von UK nach Deutschland darstellt. Wird dieser Betrag pro Sendung überschritten, fällt bei der Einfuhr Einfuhrumsatzsteuer an, die zusätzlich zur regulären Umsatzsteuerpflicht im Bestimmungsland zu berücksichtigen ist. Wichtig dabei: Diese Schwelle betrifft die einzelne Sendung, nicht den Gesamtumsatz eines Sellers - sie ist also getrennt von der EU-weiten Lieferschwelle von 10.000 Euro netto pro Kalenderjahr zu betrachten, ab der die Umsatzsteuer generell im Bestimmungsland statt im Herkunftsland fällig wird. Für die Preiskalkulation lohnt sich deshalb ein Blick auf beide Schwellenwerte gemeinsam, bevor ein Angebot auf Amazon.de live geht.

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Gilt das One-Stop-Shop-Verfahren (OSS) auch für UK-Seller?

Nur eingeschränkt. Das OSS-Verfahren wurde konzipiert, damit Unternehmen mit Sitz und Warenlager innerhalb der EU ihre grenzüberschreitenden Fernverkäufe zentral über eine einzige Meldestelle abwickeln können, statt sich in jedem EU-Land separat zu registrieren. Als UK-Unternehmen ohne EU-Niederlassung, das Ware aus einem Drittland importiert, fällst du in der Regel nicht unter die für dich vorteilhafteste OSS-Variante und brauchst stattdessen eine direkte umsatzsteuerliche Registrierung in Deutschland oder eine Steuerrepräsentanz vor Ort, wie eClear in seiner Analyse zu Umsatzsteuer und Zoll nach dem Brexit beschreibt. Je nach Lagerstruktur - etwa bei Nutzung mehrerer Amazon-Fulfillment-Zentren in der EU - kann sich die Situation zusätzlich verkomplizieren, weshalb sich eine frühzeitige steuerliche Beratung auszahlt.

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Welche Bußgelder drohen bei fehlender VerpackG- oder ElektroG-Registrierung?

Beide Gesetze sehen empfindliche Strafen vor. Nach Paragraph 36 VerpackG gelten das Inverkehrbringen von Verpackungen ohne Registrierung bei der Zentralen Stelle Verpackungsregister sowie eine verpasste Mengenmeldung als Ordnungswidrigkeiten mit Bußgeldern bis zu 200.000 Euro pro Einzelfall, wie take-e-way in seiner Übersicht zu den Strafen des Verpackungsgesetzes darstellt. Beim Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG), der deutschen Umsetzung der WEEE-Richtlinie, drohen laut Zenfulfillment Bußgelder bis zu 100.000 Euro pro Einzelfall bei Verkauf ohne gültige WEEE-Registrierungsnummer. Beide Register sind getrennt zu führen, betreffen aber häufig dieselben Produkte - etwa verpackte Elektronikartikel - weshalb UK-Seller beide Pflichten parallel prüfen sollten, bevor sie über Amazon.de oder FBA nach Deutschland verkaufen.

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Brauche ich als UK-Verkäufer einen EU-Bevollmächtigten nach GPSR?

Ja, in den allermeisten Fällen schon. Die General Product Safety Regulation (GPSR) verlangt von Herstellern ohne Niederlassung in der EU, einen wirtschaftlich Verantwortlichen mit Adresse innerhalb der EU zu benennen, der als Ansprechpartner für Behörden und für Rückrufe fungiert. Für UK-Seller ohne eigene EU-Gesellschaft bedeutet das praktisch: Ein EU-Bevollmächtigter muss bestellt sein, bevor ein Produkt gelistet wird - der VATAi-Leitfaden für Amazon-Europe-Compliance 2026 betont ausdrücklich, dass die Compliance-Struktur vor dem Warenversand stehen muss, nicht danach nachgereicht werden kann. Ohne benannten Verantwortlichen kann Amazon Angebote sperren oder Behörden können den Verkauf des betroffenen Produkts in Deutschland untersagen, was gerade bei Elektronik- und Spielzeugartikeln streng kontrolliert wird.

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Was ändert sich durch das European Fulfillment Network (EFN) für UK-Seller?

Das European Fulfillment Network erlaubt es, aus einem einzigen Amazon-Lager heraus mehrere europäische Marktplätze zu bedienen - für einen Seller mit UK-Lagerbestand heißt das aber, dass jede Bestellung aus Deutschland automatisch über die seit 2021 bestehende Zollgrenze läuft. Damit greifen bei jeder einzelnen Sendung dieselben Pflichten, die für den klassischen Direktversand gelten: EORI-Nummer, Zollanmeldung, mögliche Einfuhrumsatzsteuer ab 150 Euro Warenwert sowie die umsatzsteuerliche und EPR-rechtliche Registrierung in Deutschland. Amazon EU S.à r.l. übernimmt dabei seit dem 1. August 2024 zwar die vertragliche Abwicklung von 'Verkaufen bei Amazon' und 'Versand durch Amazon', die zoll- und produktrechtlichen Registrierungen bleiben jedoch vollständig Aufgabe des Sellers.

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